Moderner Kühlschrank im Wowa??

Was wir alle schon immer über Kühlschränke wissen wollten!
Ein Gastbeitrag von Wolfgang.
 

Einleitung

In einigen Foren gibt es immer zu lesen, das eine Kühlschrank nur bei Gas oder 220 resp. 230 V also dem sogenannten Landstrom vernünftige Kühlergebnisse zeigt. Das mag nun stimmen. Insbesondere für Absorberkühlschränke. Und nun fiel schon das erste Stichwort. Das andere wäre dann Kompressorkühlschrank. Dieser ist derzeit noch bei weitem nicht so verbreitet in Wohnwägen und Wohnmobilen und Campingbussen wie die Absorbertechnik.

 

Das hier soll kein Plädoyer für die eine oder andere Art von Kühlschrank sein, sondern nur die Vor- und Nachteile aufzeigen. Danach kann sich jeder selbst entscheiden, welche Kühlmethode er selbst am besten empfindet. Es gibt nämlich, so wie bei vielen Themen, keine perfekte Lösung.

 

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Wohnwagen oder Wohnmobil. Ein schönes Beispiel, da gehen die Wogen hoch. Ich hatte ein Wohnmobil und nun einen Wohnwagen. Vor- und Nachteile gibt es bei beiden Fahrzeugen. Es hängt in aller erste Linie davon ab, für was man das Gefährt braucht und wohin man fährt. Eine Stadtbesichtigung mit dem Wunsch ohne Campingplatz mal ganz dezent in der Stadt zu verbringen? Wer das mit etwas anderem wie einem Campingbus inklusive eingebauter Nottoilette versuchen will - alle Achtung. Wer Wochenlang am selben Platz stehen will, viel Spaß ohne Wohnwagen - vor allem beim Entleeren der Grauwässer. Wer gerne rumtourt und die "Länge" eines kurzen Wohnmobiles schätzen gelernt hatte (ohne Moped-/Radträger hatte unser Wilk 515 eben 515 cm, mit 575 cm Länge) wird sich mit Gespann - so wich ich momentan - etwas schwerer tun, wenn er einfach mal dezent auf einer Raststätte nächtigen will, die eigentlich voll ist. Mit 5 m findet man nunmal leichter einen Platz als mit der doppelten Länge mit einem Gespann von 11 m. Aber das nur zur Einleitung. Es soll hier um Kühlschränke gehen. Wer also noch weiterlesen mag und nicht schon aufgrund seiner eigenen Vorurteile abgeschaltet hat, weil ja nur Wohnwagen/Wohnmobil/Bus das wahre Gefährt sei, der kann hoffentlich mit den folgenden Zeilen etwas anfangen und für sich etwas mitnehmen.

Technik

 

Es gibt einige natürliche Kühltechniken. In Boden eingraben bis in fließendes Gewässer halten. Die Bandbreite ist groß. Brauchbar für einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil ist dies jedoch nur bedingt.

 

Die Peltier-Elemente-Kühlboxen werden auch thermoelektrische Kühlboxen genannt. Äußerst schlechter Wirkunsgrad und damit Stromverbrauch beinahe ohne Ende und schlechte Kühlwirkung. Bestenfalls geeignet, wenn man sein Wohnmobil mit Kernkraft betreibt.

 

Der Absorberkühlschrank ist der klassische Campingkühlschrank schlechthin. Es gibt sowohl Kühlboxen als auch Kühlschränke davon. Mangels technischem Verständnis kann ich nur wiedergeben, was ich darüber weiß. Ein Ammoniak-Wassergemisch wird erhitzt, dadurch trennt sich das Wasser vom Ammoniak, wenn ich das richtig verstanden habe. Danach wird durch den Kühler/Verdampfer das Ammoniak geleitet und gibt Wärme an die Umgebung ab, wird dadurch flüssig. Im Kühlschrank nimmt es Wärme auf (alles über -273 Grad Celsius ist Wärme), verflüssigt sich wieder. Irgendwo wird Wasser wieder beigemengt, das Spiel beginnt von Vorne. Wie falsch und wie ungenau meine technische Beschreibung ist, vermag ich nicht zu sagen. Spielt auch keine Rolle, die wenigsten Campingfreunde sind auch Automechaniker, dennoch benutzen sie irgendeine Art von Antrieb.

 

Der Kompressorkühlschrank ist genau dasselbe Teil, wie der Kühlschrank den wohl 99,9 Prozent aller Campingfreunde zuhause haben. Auch dieses Teil gibt es in Boxform zum Einpacken als auch fest verbaut in Fahrzeugen. Und eben natürlich zu Hause. Ein Kompressor verdichtet dabei ein Gas, das erwärmt sich dabei und gibt es an den Kühlrippen außerhalb des Kühlschrankes ab. Danach kann das gasförmige Kältemittel durch den Kühlschrank in Leitungen in den Wänden und Zwischenwänden fließen und Wärme aufnehmen. Es wird flüssig. Das Spiel beginnt von vorne. Auch hier, bitte für Details einen Techniker fragen.

 

(Details in der einschlägigen technischen Literatur oder auch Einführungsweise auf Wiki https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlschrank)

Vor- und Nachteile, Einsatzbereiche

 

Aber kommen wir nun zu den Vor- und Nachteilen und damit vielleicht zu den gewünschten Einsatzbereichen.

 

Ein Absorberkühlschrank ist definitiv leiser, denn er hat keinen Kompressor. Er verbraucht keinen Strom (außer zum Zünden), denn er hat - richtig - keinen Kompressor. Er hat keinen Kompressor als Verschleißteil, wie wir eben bereits festgestellt haben. Im Hochsommer - so wie wir dies gerade erleben durften (wir schreiben das Jahr 2017 und wir waren in Sizilien und Süditalien auf Urlaub) - hatten wir Außentemperaturen von bis zu 43 Grad. Da wäre dieser Kühlschrank quasi in die Knie gegangen. Soll nicht heißen, dass ich in meinem vorigen Feriengefährt (einem Wohnmobil) den Absorber nicht mochte. Gut, er war mir zu klein für eine Familie inklusive Hund, wie auch das Fahrzeug selbst. Darum der Umstieg. Aber der Kühlschrank selbst funktionierte einwandfrei bis eben die Temperaturen gegen 40 Grad gingen. In der Schräglage oder beim Fahren kann passieren, dass die Kühlung nachlässt. Auf Fähren wird oftmals der Betrieb von Gas untersagt. Beim Fahren grundsätzlich auch. Es sei denn, man verbaut ein Crash-Ventil, dann kann man Gasverbraucher auch während der Fahrt betreiben.

 

Gasflaschen sind für's Kochen toll, man wird kaum mehr Urlaub haben als man mit einer ganzen Flasche oder gar zwei Flaschen kochen kann. Heizen ist ein Problem, die Flaschen sind nach wenigen Tagen leer. Der Kühlschrank verbraucht auch keine Unmengen, ist in etwa mit dem Gasherd gleichzusetzen. Nicht in der Stunde, aber am Tag. Denn der Gasherd verbraucht zwar in der h oder der min mehr, jedoch läuft dieser halt nur eine halbe Stunde am Tag. Der Kühlschrank den ganzen Tag. Aber wenn dann das Gas doch leer ist, dann gibt es das Problem, dass je nach Land wieder Flaschen unterschiedlich sind, Tauschflaschen werden auch wieder nicht überall angeboten. Ein Problem also.

 

Bei der Fahrt kühlt der Absorber mit 12 Volt. Und das macht er mehr schlecht als recht. Da sind wir beim größten Nachteil des Absorbers.

 

Der Kompressorkühlschrank hat hingegen eine super Leistung. Aber er braucht nunmal für den Kompressor Strom. Eine mitgeführte Batterie wird da bald mal leer sein. Am Campingplatz gibt es natürlich Strom. Unterwegs gibt es Strom vom Motor. Aber steht man frei, so braucht man eine Photovoltaikanlage. Wir haben jetzte eine 100 Ah Batterie und ein 100 W Modul am Wohnwagen. Das funktioniert grundsätzlich ganz gut, auch mit hohen Temperaturen kommt der Kühlschrank ganz gut klar. Braucht aber natürlich mehr Strom, keine Frage. Das größte Problem hatten wir bei einer langen Fährüberfahrt. Denn da brachte dank der Garage des Schiffes das Photovoltaikmodul null Strom und es gab eine Hitze von weit 30 Grad in der Garage, wie unser Thermometer feststellte. Der CO Wert - so ganz nebenbei - war auch bei 20 ppm. Ob das nun die betriebenen Kühlschränke waren oder die Lastwägen oder der Schiffsmotor vermag ich nicht festzustellen. Denn wir kamen am Abend an, hatten die ganze Nacht auch über 30 Grad und die Batterie zeigte nur mehr 11 Volt. Jetzt wäre eine größere Batterie von Vorteil gewesen. Den Fahrzeugmotor laufen lassen, damit 12 V am Wohnwagen ankommen, ist aufgrund der langen Kabeln auch nicht besonders sinnvoll. Irgendwie ging es sich bis zum nächsten Tag aber gerade aus und dann arbeitete das PV-Modul wieder.

Zusammenfassung

 

Kompressor: höhere Kühlleistung, unkomplizierter bei der Fahrt, lageunabhängig, aber Notwendigkeit einer guten Stromversorgung

 

Absorber: unabhängig vom Strom, bei höheren Temperaturen problematisch, nahezu geräuschlos

 

Fazit

 

Der Kompressorkühlschrank ist für warme Gegenden und Jahreszeiten vorzusehen, aber mit der Einschränkung, dass dies nur mit entsprechender Stromversorgung und Batterien funktioniert. Für Wintercamping wohl ungeeignet, da das PV-Modul keinen Strom bringt. Man kann dann natürlich die Natur bemühen. Ist halt blöd, wenn man sich das Bier vor die Türe stellt, damit es kühl wird oder bleibt und dann 100 km davon entfernt erwartet, dass es noch immer vor der Türe steht. Und er stellt eine hervorragende Alternative dar, falls man gänzlich auf Gas verzichten möchte. Diesel- (und Benzin-) Kocher gibt es, Kühlschränke dafür meines Wissens nicht.

 

Der Absorberkühlschrank ist von Vorteil, wenn man Strom sparen will oder muss. Gasversorgung muss vorhanden sein, auch weil man Gas unter Umständen anderswo braucht (Gasgriller, Heizung, Warmwasser, …).. Für Fahrten ist der Kühlschrank  nur geeignet mit dem Crash-Ventil (wie auch immer das korrekt heißen mag). Grundsätzlich das universellere Gerät, da es sowohl mit Strom als auch mit Gas betrieben werden kann.

 

Es gibt also keinen perfekten Kühlschrank. Alle haben Vor- und Nachteile.

 

Meine persönliche Meinung

 

Ich selbst bin mit dem Kompressorkühlschrank und der PV-Anlage am Dach mit der Kühlleistung glücklicher als mit dem Absorberkühlschrank, den ich vorher hatte.

 

Tipps

 

Je nach Budget kann man sich noch eine gute Kühlbox mit ins Fahrzeug nehmen. Die kann für Notfälle als Backup-System dienen und auch während der Fahrt die Möglichkeit bieten, dem Fahrer oder den Mitfahrern gekühlte Getränke anzubieten.

 

Egal, welches Kühlsystem man  wählt. Vor der Abfahrt wird alles vorgekühlt. Gibt man zu kühlende Getränke oder andere Lebensmittel in den Kühlschrank macht man das - sofern möglich - schubweise. Beim Fleisch und dergleichen wird das nicht zielführend sein, bei Getränken durchaus. Das verhindert nämlich, dass sich die anderen Lebensmittel unnötig erwärmen. Und man benötigt ohnehin nicht sechs Mineralwasserflaschen gleichzeitig. Steht man wo länger - auch am Campingplatz - so empfiehlt sich, in einem Kübel oder ähnlichem Gefäß, die Getränke etwas vorzukühlen. Das "erleichtert" dem Kühlschrank die Arbeit und oben beschriebener Effekt der Erwärmung der bereits im Kühlschrank befindlichen Lebensmittel wird Einhalt geboten. Kühlt man bereits gekochtes, weil es nicht vollständig verzehrt wurde, ein, dann auch hier: zuerst abkühlen lassen, danach in den Kühlschrank verfrachten.

 

Zuerst denken, dann öffnen. Was sich jeder Supermarktbetreiber wünscht, sollte auch dem Camper am Herzen liegen. Zuerst überlegen, dann Kühlschrank öffnen, wieder schließen. Geht Kälte aus dem Kühlschrank raus bzw. kommt Wärme in den Kühlschrank, geht auch Energie verloren. Also überlegen, was will ich aus dem Kühlschrank entnehmen und dann erst öffnen.

 

Bei längeren Urlauben auch mal den Kühlschrank leerfuttern und trinken, wenn man zB einmal auf einem Campingplatz verweilt. Dann diesen Abtauen. Das hat den Vorteil, dass er wieder mit weniger Energieverbrauch und höherer Leistung läuft.

 

BildQuelle: boote-magazin.de